* Mai 2001 -  † 31.10.2007

Hallo Ihr Lieben....
Jetzt werde ich, "Joker" (Galgo espanol),  Euch mal erzählen, wie es mir so ergangen ist, und wie es mir heute so geht. Also, ich war in Spanien (bei Madrid) in einem Tötungslager. Warum ich dahin gekommen bin, weiss ich auch nicht so genau - manche sagen, ich war den Spaniern auf der Rennbahn nicht schnell genug, andere meinen, ich habe für die Jagd nix getaugt. Und nun sollte ich bei lebendigem Leib mit einer kleinen Galgohündin, der "Amena",  verbrannt werden. Zum Glück haben uns Menschen von "Far From Fear" gerade noch von der Ofentür weg bekommen. Ich wurde nach Deutschland geflogen und kam zu ganz lieben Leuten von "Collie in Not". Die haben mich erstmal wieder ein bisschen aufgepäppelt.

Nach 2 Wochen ging dann mein Wunschtraum in Erfüllung: eine große Frau mit einer etwas zurückhaltenden Hündin kam, um mich mit zu sich nach Hause zu nehmen. Manno, zuerst hatte ich sooo viel Schiß...wusste ich doch nicht, was mich nun wieder erwartet. Also, nach der Autofahrt nach Zeven war ich schon ziemlich kaputt. Na ja, ich hatte ja auch die  „kleine“ entzückende Dame neben mir liegen. Die hat mich zwar in Ruhe gelassen, aber aufregend war`s trotzdem.
In meinem neuen Zuhause angekommen, haben mein Frauchen und Herrchen dann festgestellt, dass ich doch mehr einer Vogelscheuche als einem edlen spanischen Windhund ähnele. Völlig abgemagert, kein Fell auf meiner Rute, die Zähne grau/schwarz vom Zahnstein (und das, wo ich doch so klasse lächeln kann!) .... und überhaupt ....
Also habe ich die ersten zwei Wochen 3 x täglich was zu futtern bekommen! Das war schon klasse. Hab` am Anfang auch alles so schnell `runtergeschlungen, dass ich mich beim Fressen dauernd verschluckt habe. Als ich aber gemerkt hab`, dass mir keiner 'was wegnimmt (auch meine allerliebste Laika nicht) und ich immer satt wurde, fing ich dann an, ganz genüsslich schön langsam zu fressen (inzwischen sogar direkt neben Laika im Duett). Mein Futter und die ganzen Leckereien, die mir Herrchen immer heimlich zugesteckt hat... mal einen Wurstzipfel hier, mal einen Ochsenziemer da haben natürlich auch zu meinem Wohlbefinden und einem besseren Aussehen beigetragen.

 Und Pansen, Maulfleisch oder Blättermagen gab`s auch hin und wieder...... soooooo lecker sag ich Euch !!!
Da hatte ich dann innerhalb von 4 Wochen von 26 auf 36 kg zugenommen (mehr soll ich aber nicht). Meine Wirbelsäule kuckt jetzt gar nicht mehr so höckerig `raus und meine Beckenschalen auch nicht mehr.
So, das Problem war also abgearbeitet. Nun machte mein Frauchen sich aber gewaltige Sorgen, weil ich abends, immer wenn ich zur Ruhe kam, wie ein Blasebalg keuchte und hechelte. Also musste ich wieder zur Tierärztin und diverse Untersuchungen über mich ergehen lassen... Blutdruck messen, EKG machen lassen, mein Herz haben sie geröntgt (und dabei festgestellt, dass sie noch nie ein sooo großes Herz gesehen hatten... na ja, ist ja eigentlich auch ein Sportlerherz, hihi) und dann wurde auch noch ein Ultraschall gemacht. Aber nix gefunden.... war alles in Ordnung.


Also wurde mir noch gaaaaanz viel Blut abgenommen für irgend so ein Labor-Südeuropa-Reiseprogramm (Labortest auf Herzwürmer und noch so andere Geschichten) und um zu sehen, ob meine Organe alle ok sind. Da ist aber glücklicherweise auch nix bei `rausgekommen.
Tja, und dann war da eines Tages Frauchens beste Freundin. Die hat eine eigene Zahnarztpraxis und hat mir meine Beißerchen wieder blitzblank sauber gemacht, damit ich keine Paradontose bekomme. Und 1 x pro Woche putzt Frauchen Laika und mir die Zähne... wegen Karies und so... und jetzt macht das Grinsen (ihr erinnert Euch? ) doppelt soviel Spaß!!
Dann haben wir nach ein paar Wochen angefangen, morgens die Gassirunde am Fahrrad zu machen. Manno... war das anstrengend!!
Zuerst war ich nach den ersten 100 Metern schon immer fix und fertig.

Aber es half nichts... ich musste jeden Morgen wieder traben und auch ein bisschen galoppieren. Und siehe da! Nach etwas Konditionsaufbau war die Keucherei und das Gehechel abends auch vorbei. Das Toben und Rennen auf unserem Grundstück macht jetzt 1000 x mehr Spaß. Und Muskeln hab` ich auch ganz viel dazugekriegt.
 Aber jetzt... mannomann... da drehen wir unsere Runden ums Haus `rum und den hohen Lärmschutzwall `rauf und `runter (hätte nie gedacht dass ich da mal `raufkomme). Und danach kuscheln wir dann auf'm Sofa (und singen auch mal `ne Runde gemeinsam wie auf dem Foto).
Ja ja, das Toben mit meiner herzallerliebsten Laika ist das Tollste, was es gibt. Zuerst hatte ich überhaupt gar keine Chance gegen die Lüttsche. Die hat ja auch Windhundblut. Also, ich hab`s richtig supertoll getroffen.

Alle haben mich wahnsinnig lieb und herzen mich so oft ich es will... also fast ständig.
Und jetzt, wo ich nicht mehr wie eine Vogelscheuche aussehe, werden Frauchen und Herrchen dauernd angesprochen, wie attraktiv wir beiden Hunde doch aussehen (sogar meine Rute ist wieder ganz voll mit Fell!). Wir beide seien ja wohl ganz was Edles... hihi... das treibt uns immer die Schamesröte in die Hundegesichter.
 

So, das also ist meine Geschichte

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31. Oktober 2007 

Ich habe der Geschichte vom Joki nie etwas hinzugefügt. Brauchte ich eigentlich auch nicht. Allein die Fotos  mit den Kommentaren sprechen für sich – denn DAS war unser Joki. Everybody’s Darling. Jeder, wirklich jeder mochte ihn auf Anhieb. Er war unser Philosoph, war durch nichts (ausser Futter und Leckerli) aus der Ruhe zu bringen. Naja, und wenn die Post kam, hat unser Joki sogar ganz laut und tief gebellt. Ich habe immer gesagt: Joki ist unser Herzhund.

 

 

In unserem September-Dänemarkurlaub hat er noch mal so richtig Gas gegeben. Stand den anderen beiden, Laika und Shadow, in nichts nach. Sogar mit Sloughi Dayat hat er supertoll getobt. Die beiden haben sich sofort verstanden. 

Dann fing er immer mehr an, auf dem rechten Hinterlauf zu schonen. Röntgenbilder zeigten keine Anzeichen von Arthrose. Man tippte auf Kreuzbandriss oder Meniskusschaden. Es ging auch mal mehr und weniger gut mit dem Laufen. Am letzten Oktober-Wochenende 2007 war ich mit den Dreien in Landstuhl. Dort hat Shadow an einem internationalen Coursing teilgenommen. Als Sonntagabend, ich blieb noch eine Nacht länger auf dem Platz, so gut wie alle Teilnehmer verschwunden waren, durften meine 3 noch mal auf dem eingezäunten Gelände spielen. Joki sollte eigentlich nicht galoppieren, um den Hinterlauf zu schonen. Dieses Mal wollte er aber gar nicht gehorchen und rannte, was das Zeug hielt. Quer übers Coursinggelände und die Sandbahn ’rauf und ’runter. Vielleicht ahnte er, dass es das letzte Mal sein würde. Danach schonte er schlimmer denn je. Er hoppelte nur noch auf 3 Beinen. 

2 Tage später hatte ich morgens einen Termin bei einem Tierarzt in Bremen, der sich sehr, sehr gut mit Windhunden und Sportverletzungen auskennt. Ich fuhr also dorthin, in der Annahme, einen OP-Termin wegen Joki’s Knie zu bekommen. Dem Doc reichte ein einziger Blick auf das von mir mitgebrachte Röntgenbild, um die entsetzliche Diagnose zu stellen: Knochenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Für mich brach eine Welt zusammen. Da hatte keiner mit gerechnet. Er meinte, jeden Menschen hätte man schon lange unter Morphium gesetzt, um die Schmerzen ertragen zu können. Das reichte, um meine Entscheidung zu fällen. Unser Joki wurde noch vor Ort von seinen Schmerzen erlöst und wartet jetzt auf der anderen Seite der Regenbogenbrücke auf uns.

 Wir hätten ihn so gern noch so lange behalten. Er war ja erst 4,5 Jahre bei uns und hatte sich über die Jahre endlich etwas Selbstbewusstsein zugelegt. Er hat, zusammen mit Laika, unserem Sloughi Shadow zu mehr Sicherheit auf der Rennbahn verholfen. Immer wieder sind er und Laika mit Shadow auf der Bahn gelaufen, damit dieser lernt, sicher andere Hunde zu überholen. Als das geschafft war, sind Joker und Laika dann jedes Trainingswochenende zusammen ihre Gerade gelaufen. Auch am Spaßrennen hat Joki (außer Konkurrenz) teilgenommen. Auch die beiden vermissen ihn – Laika sicherlich noch sehr viel mehr.

 

 

 

Auch beim Gassigehen, egal ob Daheim oder woanders (die Hunde waren ja eigentlich immer dabei), gab's mit Joki nie Stress. Allein dieses Wort und dessen Bedeutung waren ihm völlig fremd. Sogar Silvester, wenn Laika und Shadow sich vor Angst unterm Tisch oder im Bett unter den Decken verkrochen, kannte er keine Angst. Im Gegenteil: da er in Spanien wohl für die Jagd eingesetzt wurde, war jeder Silvesterknaller SEIN ganz persönlicher Startschuss.

 

 

 

 

 Wir hoffen so sehr, dass es ihm dort, wo er jetzt ist, gut geht.... Joki wird immer bei uns bleiben!

not gone but only gone before
to where love lives on ever more
not lost but only lost from sight,
as one who walks ahead at night,
not parted only just apart,
in memory kept close in heart
not of the past but now to be
a part of all eternity